Mit dem Zug nach Bali

Normalerweise reisen Besucher über den Flughafen „Ngurah Rai“ bei Denpasar nach Bali. Es ist die schnellste und komfortabelste Art nach Bali zu kommen. Der Flughafen gehört zu den größten des Landes. Aus Europa kommend, fliegen die Besucher, je nach Airline über die großen Luftverkehrskreuze in Asien (Singapur, Bangkok, Jakarta) oder auf der arabische  Halbinsel (Doha, Abu Dhabi, Dubai).

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit nach Bali zu kommen, die preiswerter und spannender ist. Zugleich nähert man sich dem Traumziel langsamer an, muss also nicht von Vollstress einfach so in Urlaubsmodus umschalten. Die Alternative heißt Kereta Api und bezeichnet die indonesische Eisenbahn. Bali selbst besitzt war weder einer Bahnhof, noch ein eigenes Schienennetz, aber wer Banyuwangi in Ost-Java den Zug verläßt, die 200 Meter bis zum Fährbüro geht, den trennen nur noch eine halbe Stunde Fähre  und umgerechnet 63 Cent von der insel der Götter.

Nationalmonument in Jakarta

Los geht es in Jakarta am Gambir-Bahnhof, direkt neben dem Nationalmonument. Einfach eine Fahrkarte am Schalter kaufen, geht nicht. Es muss eine Art „Vorticket“ an einem Automaten, in einem Supermarkt oder an einem Schalter gelöst werden. Ähnlich wie bei einem Flugticket, werden hier einige persönliche Angaben fällig, bis hin zur Pass-Nummer. Das alles deutet darauf hin, dass der Zug nicht zu den selbstverständlichen Verkehrsmitteln in Indonesiengezählt wird.   Am Abfahrtstag wird dieses Ticket eingescannt, dafür gibt es dann die Bordkarte. Eigentlich müßte man noch Übergepäck bezahlen, wenn man mehr als 20 Kilo dabei hat, doch in der Praxis wird das kaum umgesetzt. Selbst wer zahlungswillig ist, wird einfach durchgewunken.

Die Indonesische Eisenbahn kennt drei Klassen: Eksekutif, Businis und Ekonomi. Zum Teil gibt es sogar Bahnhöfe nur für bestimmte Zugklassen. Am Gambir-Bahnhof verkehren nur Züge der ersten Klasse. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Zug immer nur ein Ein-Klassen-Zug ist, wie ich bald bemerken sollte. Die Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Klasse, also Ekskutif und und Businis sind nicht so groß.

Erste Klasse

Statt einzelner Sitze gibt es in der zweiten Klasse Zweierbänke, alles ausgreichend dimensioniert, mit viel Beinfreiheit. Die Züge sind mit Speisewagen ausgestattet. Wer Hunger hat, muss diese nicht unbedingt aufsuchen. Freundliches Begleitpersonal bringt das Essen auch an den Platz. Insgesamt handelt es sich um eine sehr komfortable und angenehme Art zu reisen. Im Übrigen scheint es so, dass die Businis-Klasse die bevorzugte Kategorie für Backpacker ist. Jedenfalls finden sich hier bedeutend mehr Europäer, als in der ersten Klasse, die offenbar eher von betuchteren Indonesiern frequentiert wird. Für einen durchschnittlichen Europäischen Geldbeutel macht aber der Unterschied zwischen erster und zweiter Klasse nicht wirklich viel aus.

Von Jakarta nach Yogyakarta

Selbst in der ersten Klasse ist das Reisen ein ziemlich preiswertes Verngügen. Die Strecke Jakarta nach Yogyakarta ist schon ab etwas 13 Euro zu haben. Die Fahrt dauert immerhin fast acht Stunden. Und es sind acht Stunden, die sehr schnell vergehen. Es zieht sich zunächst, bis der Zug die riesige Metropole in der Provinz Bantam verlassen hat. Parallel zur Nordküste geht es via Pamanukan nach Cirebon. Hier ist alles ziemlich flach. Von Bergen, Reistarassen oder gar tropischem Regenwald ist hier noch nichts zu sehen. Endlose Reisfelder säumen die Bahntrasse. Ab und an geht es durch ein Dorf oder eine kleine Stadt. Oft ist zwischen Bahndamm und einer Häuserreihe nur zwei Meter Platz. Selbst solch schmale Streifgen werden mit Reis bebaut.

Nach Cirebon ändert sich die Szenerie deutlich. Da führt die Trasse durch das Bergland und bietet dem Fahrgast traumhafte Kulissen. Der Zug überquert nun breite Flusstäler. Aus Reisfeldern werden Terrassen und plötzlich tauchen auch Wälder auf – nicht unbedingt der tropische Regenwald, aber immerhin doch Bäume.

Erste Station der Reise ist Yogyakarta, die alte Königsstadt, heute aber jung, dynamisch und voller Leben. An zahlreichen Straßenecken spielen Bands. Viele Bars und Kneipen säumen die belebten Straßen. Und die Architektur zeugt von einer bewegten Geschichte. Ich nutzte den nächsten Tag aber zu einem Ausflug zur Tempelanlage Borobodur. Das pyramidenförmige Monument ist eine der größten und beeindruckendsten buddihistischen Tempeln in Südostasien.

Diashow Borobodur

 

Von Yogyakarta nach Surabaya

Die zweite Etappe führt vom Süden an die Nordküste Javas, in die legendäre Hafenstadt Surabaya. Kaum hat der Zug Yogyakarta verlassen, wird es auch schon wieder flacher und wieder sind endlose Reisfelder der bestimmende Anblick. Doch am Horizont recken sich auch Vulkan aus der Ebene empor. Alle, aber auch wirklich alle dieser beeindruckenden Kegel sind aktiv und können theoretisch jederzeit ausbrechen – sie tun es auch immer wieder.

Surabaya hat als Hafenstadt einen gewissen Ruch, verstärkt, durch Brechts Lied „Surabaya Johnny“ aus dem Musical „Happy Ende“. Das heutige Surabaya hat damit nicht mehr so viel zu tun. Glitzernde Hochhausfassaden bestimmen die Innenstadt. Die aufregendste Sehenswürdigkeit ist ein U-Boot mitten in der Stadt, das als Nationaldenkmal herhalten muss.

Von Surabaya nach Banuyuwangi

Höhepunkt der Zugfahrt ist die dritte und letzte Etappe von Surabaya noch Banyuwangi. Wegmarken sind einige der mächtigsten Vulkane Indonesiens. Zudem wird es hier richtig bergig. Die Landschaft trotze den Erbauern der Bahntrasse eine sehr kühne Konstruktionen ab. Hier im Osten wird Java am ehesten den Vorstellungen gerecht, die ein Besucher aus Europa von der indonesichen Insel hat.

Wenn der Zug dann langsam im Bahnhof Banyuwangi einläuft, ist man sehr verwundert, dass die Fahrt schon vorbei ist – obwohl auch sie fast acht Stunden gedauert hat. Fast bedauert man es, dass die schon vorbei ist. Doch zum Glück ist man ja schon fast in Bali.